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Philipp Otto Runge • Wenn der Himmel über mir

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Wenn der Himmel über mir von unzähligen Sternen wimmelt, der Wind saus't durch den weiten Raum, die Woge bricht sich brausend in der Nacht, über dem Walde röthet sich der Aether, und die Sonne erleuchtet die Welt;  das Thal dampft  und ich werfe mich im Grase unter funkelnden Tautropfen hin, jedes Blatt und jeder Grashalm wimmelt von Leben, die Erde lebt und regt sich unter mir, alles tönet in einem Accord zusammen,  da jauchzet die Seele lauf auf,  und fliegt umher in dem unermeßlichen Raum um mich,  es ist kein unten und kein oben mehr,  keine Zeit kein Anfang und kein Ende, ich höre und fühle den lebendigen Odem Gottes der die Welt hält und trägt,  in dem alles lebt und würkt:  hier ist das Höchste, was wir ahnen - Gott!

Hermann Hesse • Stufen

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Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegensenden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ... Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Marcel Proust • Im Schatten junger Mädchenblüte II

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Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 2 erschienen 1918 *** Proust, seine Großmutter und die Dienerin Francoise machen Urlaub an der See im Grand Hotel von Balbec. Schon bald lernen sie dort allerlei illustre Leute (Robert de Saint-Loup, Marquise de Villeparisis) kennen, mit denen sie ihre Zeit verbringen. Proust bewundert das Meer, die Landschaft und die anderen Badegäste.  Er macht die Bekanntschaft einer Gruppe junger Mädchen um Albertine Simonet, die in ihm ein Wechselbad der Gefühle auslösen.  Mit dem Maler Elstir beginnt er zu philosophieren - über Gewohnheiten, Freundschaften und das Leben an sich.  Ortsnamen • Die Landschaft In gewissen Fällen besteht, da Sesshaftigkeit die Tage erstarren lässt, das beste Mittel, Zeit zu gewinnen in einem Wechsel des Ortes.  Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewusstsein zur Ruhe begeben, dass die Gewohnhe...

6. Januar

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Geburt des ÄON  alexandrinischer Sonnengott, die Verkörperung von Zeit und Ewigkeit Epiphanias - Erscheinung des Herrn Heilige Drei Könige - CMB Weise / Magier / Alchemisten aus dem Morgenland; Patrone der Reisenden, Pilger, Kaufleute, Gastwirte, Kürschner und Spielkartenhersteller, Schutzherren von Köln , Helfer gegen Unwetter und Epilepsie. Caspar - bartloser Jüngling • Balthasar - der Bärtige • Melchior - der Greis Gold - Weisheit • Weihrauch - Gebet und Opfer • Myrrhe - Selbstbeherrschung Andreas Corsini 1301 bis 6.1.1374, Bischof von Fiesole, Karmeliter, Italien, beigesetzt in S. Maria del Carmine Florenz, Darstellungen mit Wolf oder Schaf Gertrud von Osten 1300 bis 6.1.1358, Begine, Mystikerin, Niederlande, Weissagungen, trug die Wundmale Christi Erminold 1035 bis 6.1.1121, Abt OSB, Hirsau im Schwarzwald Johannes de Rivera 20.3.1533 bis 6.1.1611, Erzbischof, Spanien, Vizekönig, gründete ein Kolleg für Weltpriester Karl von Sezze 19.10.1613 bis 6.1.1670, Italien, Franziskaner,...

Tarot XII • der Gehängte

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die Pause •  Krise als Chance Ich weiß, daß ich hing am windigen Baum neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber, ich selbst.  (Odin in der Edda) Sakis-Tarot von Jopie Bopp falsche Vorstellungen, unrealistische Wünsche, fest stecken, hilflos, gelähmt, Zwangspause, ohne Kontrolle, verhindert, gefangen, blockiert, krank Ruhe, überdenken, Lebensumkehr, Ruhepause, tiefe Einsicht, veränderte Sichtweise Erstarrung, loslassen, hingeben, neu sehen lernen   Ich besinne mich auf mich selbst.   Ich lasse mich nicht zwingen,  ich lass mich nicht hetzen.   Ich empfange neue Ideen und Eindrücke.  Ich denke in Ruhe,  ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf.  Ich zeuge neue Ideen.   Ich schöpfe neue Kraft.  Crowley: Lass es nicht zu, dass Dich die Wasser, auf denen Du reist, benetzen.  Und am Ufer angekommen, pflanze Du den Wein, und erfreue Dich ohne Scham. 

Marcel Proust • Im Schatten junger Mädchenblüte I

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 Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 2 erschienen 1918 *** Proust lernt Gilberte, die Tochter von Madame Swann, näher kennen und geht in deren Salon ein und aus.  Obwohl er am Ziel seiner Wünsche zu sein scheint, leidet er bald sowohl an Liebe als auch an Liebeskummer. Madame Swann und ihre Welt ... denn die Vorstellung, die man sich lange Zeit von einer Person gemacht hat, verschließt einem die Augen und Ohren gegen jede Veränderung. ... die Wesensart, die wir in der zweiten Hälfte unseres Lebens hervorkehren, ... ... dass der Sinn des Lebens mir nicht mehr die Wahrheit, sondern die Liebe zu sein schien, ... mit zärtlicher Liebe gemischte Nichtachtung Ich stellte nur fest, dass in der Politik das Wiederholen dessen, was alle Menschen denken, offenbar kein Zeichen von Mittelmäßigkeit, sondern von Überlegenheit ist.  Die engen Beziehungen, die uns an ein anderes Wesen knüpfen, erhalten ihre Weihe dadurch, dass dieses unsere Schattenseiten vom gleichen Standpunkt aus bet...

Marcel Proust • In Swanns Welt

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Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 1 erschienen 1913 Combray Jugenderinnerungen an Combray; die Familie und Bedienstete; Farben der Natur, Spaziergänge, Lektüre und Zeitvertreibe; erste Begegnung mit Madame de Guermantes • Die Hoffnung auf Erleichterung gibt dem Kranken Mut zu leiden.  Nachdem der anästhesierende Einfluss  der Gewohnheit aufgehört hatte, begann ich zu denken, zu fühlen - beides traurige Dinge. ... tat ich, an Feigheit bereits ein Mann, was wir alle tun, wenn wir groß sind und Leiden und Ungerechtigkeiten mit ansehen müssen: ich wollte nicht sehen... à contre-coeur Die Ruhe, die sich nach dem Aufhören meiner Ängste auf mich niedersenkte, versetzte mich in einen Zustand außerordentlicher Gehobenheit, dazu kam die bange, süße Erwartung der Gefahr.  Auch in mir sind viele Dinge zerstört, von denen ich geglaubt hatte, sie würden ewig währen, und andere sind entstanden, die neue Freuden und Leiden heraufbeschworen haben, von denen ich damals ...

Leo N. Tolstoi • Die Kreutzersonate

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  "Aber wie soll man mit einem Manne zusammenleben können, den man nicht liebt?" Wieviel Eisen und welche Metalle in der Sonne und in den Sternen enthalten sind, das kann der Mensch leicht erkennen, aber woraus unser dreckiges Leben besteht, das ist schwer, entsetzlich schwer einzusehen.  Sie mochte sagen, was sie wollte, ich war schon im Voraus anderer Meinung und ganz so verhielt sie sich mir gegenüber. So weiter zu leben, wäre entsetzlich gewesen, wenn wir unsere Lage verstanden hätten; aber wir verstanden und sahen sie nicht.  Der Mensch kann hundert Jahre in der Stadt leben und bemerkt es gar nicht, dass er längst tut und vergangen ist. Man hat gar keine Zeit, sich mit seiner eigenen Person auseinanderzusetzen, denn man ist immer beschäftigt. Vor der Gesellschaft braucht man sich keine Gewissensbisse zu machen, es handeln ja alle ebenso.  In beiden Herzen schwelt der alte Groll weiter, nur noch verstärkt durch die Erregung über den Schmerz, den diese...

Patientia • Geduld • Patience

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4. Tugend Hans Sebald Beham - MFA Houston Hildegard von Bingen • Liber Vitae Meritorum  Die Antwort der Geduld an den Zorn: "... So vollende ich alles, was ich beginne, und harre darin aus. Ich zertrete niemanden, sondern habe alles in Ruhe. Und niemand verurteilt mich. ..." (1.12) Hermann Hesse Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt. Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen. Dietrich Bonhoeffer Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt.  van der Heyen Der Triumph der Geduld - Coornhert - NGA Washington

Goethe • Urworte. Orphisch

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  Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen, die Sonne stand zum Gruße der Planeten,  bist alsobald und fort und fort gediehen nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,  so sagten schon Sibyllen, so Propheten;  und keine Zeit und keine Macht zerstückelt geprägte Form, die liebend sich entwickelt. 

Philip José Farmer • Ismaels Fliegende Wale

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Ismael seufzte. Man verlangte einfach zu viel von einer Welt, wenn man von ihr erwartete, dass alle Bewohner sich lieben und einander vertrauen sollten. So wie auf der Erde war es auch hier. Möglicherweise war es überall so.  Ein Mann ohne Theorie oder Dogma ist ein Schiff ohne Ruder und Segel. Aber derjenige, der eine Theorie, einen Glauben oder sonst etwas hat, woran er einen Halt finden und gegen den Wind segeln kann, kann die härtesten Stürme durchfahren und allen Untiefen entgehen.   Der Mensch hat sich im Grunde nicht verändert. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nicht einmal sagen, ob hinter dem, was eine Person für sich selbst als nützlich oder unnütz empfindet, etwas Gutes oder Schlechtes steckt.  Der Geist eines jeden Menschen stieß irgendwo an seine Grenzen; niemand konnte über seine Auffassungsgabe hinaus.  Und das, dachte er, spiegelt den Sinn des Lebens wieder. Eine wahrnehmende Intelligenz musste, egal was auch passierte,...

Juli

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Auch der siebte Monat hat durch die glühende Sonne große Kräfte und lässt die Frucht der Erde reifen und austrocknen. Durch sein Unwetter, die teils Trockenheit, teils Regen bringen, ist er reißend.  Ähnlich stark sind auch die Ellenbogen durch die Schultern und die Hände, mit denen der Mensch alles Notwendige zusammenholt.  So versteht auch der Mensch durch den Geruchssinn das Wesen eines jeden Dings, indem er unterscheidet und erkennt, was nützlich und unnütz ist. Das, was zur Erhaltung seiner Natur dient, wählt er aus und sammelt in seiner Brust, damit er nach Austrocknen der schlechten Säfte in Gesundheit wächst. Denn die Körpersäfte, durch die er gemäßigt wird, sollen nicht durch einen verdorbenen, zähen Saft der Kraft des Blutes beraubt werden. Denn der Mensch zieht mit seinem Wissen alles an sich und bringt es unter seine Herrschaft, sodass damit das Gift aus den Körpersäften ausgestoßen wird und sie selbst in der Kraft der Gesundheit bleiben.  Und so ordn...

Juni

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Der sechste Monat ist durch die Hitze trocken, und beim Wachsen der Früchte erhebt er sich mi dem Wind, der den Früchten die Reife bringt und zuweilen übermäßig Regen ausgießt. Mit ihm werden die Schultern des Menschen bezeichnet, die in ihrer Wärme Trockenheit haben und jede Arbeit unterstützen, jedes Werk durchführen und den gesamten Körper aufrecht halten. Trotzdem suchen sie bisweilen statt ihrer Arbeit Ruhe, wie ein Vogel vor Müdigkeit seine Flügel sinken lässt und wie die Wurzel ihre Verzweigungen zusammenhält. Auf die gleiche Weise ist der zweite Sinn, das Gehör, gleichsam der kleine Flügel der Vernunft zum Verstehen der Worte, die er aufnimmt.  So kommt es, dass der Mensch, während die Ohren den Laut jedes einzelnen Geschöpfes aufnehmen, erkennt, was dieses Geschöpf ist oder wo es sich befindet.  Dadurch strengt er seinen Geist mehr an, es zu erforschen. Denn die Kraft der Seele, die durch die Ohren empfindet, hat keine Mühe mit dem Hören und hat nicht aus Überdruss ...

Mai

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The Shepherd's Calendar Der fünfte Monat ist lieblich, mild und herrlich durch die Früchte der Erde, wie auch das Schmecken des Mundes süß und freundlich ist; denn durch den Geschmack wird erkannt und festgestellt, woran der Mensch sich in Freude erquickt. So ist auch die Vernunft die Säule und das Mark der fünf Sinne, die durch sie erhalten und zum Wirken angeleitet werden, wie die Erde, die vom Pflug umgeworfen ist, im Keimen fruchtbar wird.  Das Sehen aber, die Sinneswahrnehmung der Augen, durch das der Mensch alles sieht und erkennt, hat mit Recht die Vorrangstellung unter den übrigen Sinnen. Denn wie sie in ihrer Stellung höher ist als die übrigen, so erfasst sie auch besser die entfernteren Dinge als die anderen. Auch dadurch ist der Gesichtssinn angenehm und großartig, weil der Mensch in ihm durch Erkennen und Auswählen das Nützliche vom Unnützen unterscheidet.  Der fünfte Monat, der Mai, hat den lieblichsten Duft der Blumen, an denen sich die Herzen der...

April

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Barbanera Almanach Durch den vierten Monat, der grün ist, Duft verbreitet und wie aus Furcht donnert, wird die Nase bezeichnet. Mit ihr zieht der Hauch der Seele den Geruch von allem ein, was der Mensch sich in Furcht auswählt, und entlässt ihn wieder. Diesem Monat gleicht der Mensch, der durch den Hauch der Vernunft in seinem Wissen die Grünkraft der guten Werke weise erwählt. In diesem Menschen gedeihen alle Früchte und er bringt Wohlgerüche hervor. Denn mit dem süßesten Geruch wird der Ruf seiner Rechtschaffenheit und Nützlichkeit zum Lobe Gottes überall verbreitet. Aber der Lärm der widerwärtigen und schlechten Menschen verschmäht oft die Tugenden und guten Werke jenes Menschen und bezeichnet ihn als ungerecht und böse. ... Wie nämlich dieser Monat gefährlich und furchterregend donnert und trotzdem die Früchte der Erde nicht austrocknet, so dörren auch die Kräfte und Tugenden des seligen Menschen durch die genannten bösen Reden nicht aus, sondern die, die mit ihren Zähnen ge...

März

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Der dritte Monat ist seinem Wesen nach voller Unruhe. Er bringt Stürme und hat ungesunde Witterung in sich. Mit seinen verschiedenen Winden weckt er alle Keime der Erde. An diesem Monat erkennt man die Ohren, in denen der Laut von allem Nützlichen und Unnützen ertönt, wodurch der ganze Leib bewegt wird.  Auf ähnliche Weise hat auch die Seele im Leib, der durch sie bewegt, erfüllt und wie von Adern durchflossen wird, eine Auseinandersetzung mit den Kräften der Natur. Denn der Mensch gleicht mitten in seiner Jugend einem Baum, der zunächst unreife Früchte und später erste seine Früchte hervor treibt. Denn der Mensch trägt in sich Stürme des unruhigen Lebens, wenn er merkt, was er tun könnte, weil sein Mark schon fett und seine Adern gefüllt sind. Dann hat die Seele in ihm eine trauernde und klagende Stimme, weil ihr Schmerz durch seine Sünden mehr und mehr vergrößert wird; denn sie ist das Leben, das alle im Menschen in Bewegung setzt.  Jener aber ist mehr als gerecht beg...

Februar

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Der zweite Monat ist seinem Wesen nach reinigend und wird in den Augen versinnbildet. Denn wenn die Augen wässrig, unrein und krank sind, reinigen sie sich bisweilen selbst. So ist auch die Seele im Menschen wie Saft im Baum. Dann wie durch den Saft alle Früchte des Baumes wachsen, so werden auch durch die Seele alle Werke des Menschen in die Tat umgesetzt.  Wenn dann die Adern und das Mark des Menschen reif sind, beginnt er nach dem Verlangen des Fleisches zu handeln. Wenn er das getan hat, seufzt er oft auf, gezwungen vom geistigen Wesen seiner Seele. ... Hildegard von Bingen Liber Divinorum Operum 1.Teil, 4.Vision Betty Albert • Februar Mond

Januar

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Der erste Monat, in dem die Sonne wieder steigt, ist kalt und feucht. Er ist voller Widerspruch und schwitzt Wasser aus, das sich in das Weiß des Schnees verwandelt hat. Daher werden seine Eigenschaften mit dem Gehirn verglichen. Auch es ist kalt und feucht und reinigt sich, indem es wertlose Flüssigkeit durch Ohren und Nase ausscheidet. So wirkt auch die Seele mit Freude in der Kindheit des Menschen, die weder Arglist noch fleischliches Begehren kennt und die Seele nicht antreibt, gegen ihre Natur zu wirken. Die Seele ist in der Kindheit, die ihrem eigenen Sehnen nach einfach und unschuldig ist, stark und mächtig. Später aber, wenn sie die Freude über die kindliche Unschuld entbehrt, wird sie in große Traurigkeit gestürzt, wie ein Fremdling, der aus seiner Heimat vertrieben ist. Denn die Körpersäfte im Menschen nehmen jetzt zu, er selbst wird von der Fleischeslust befleckt, liebt die Leichtfertigkeit und damit die Gottvergessenheit und findet Freude und Lust an der Tischgesells...

Dezember

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Der zwölfte Monat hat starke Kälte. Er lässt die Erde gefrieren, bedeckt sie völlig mit dem Schaum der Kälte und macht sie abstoßend und beschwerlich. Deswegen werden mit seiner Eigenschaft die Füße des Menschen bezeichnet, die sehr vieles zertreten und breittreten und die Erde eindämmen. Sie können sich auch nicht von der Erde in die Höhe heben, sondern stehen auf ihr. ... Denn wie der Körper nach dem Scheiden der Seele ohne jede Wärme ist und kalt bleibt, so vergisst ohne die Wärme der Gaben des Heiligen Geistes die Seele, in Zorn verhärtet, ihr Wesen. ... Denn im Zorn fließt das Blut des Menschen über. So wird der selbst seiner gesunden Sinne beraubt und sozusagen wahnsinnig. ... Hildegard von Bingen Liber Divinorum Operum 1.Teil, 4.Vision Eugène Grasset Barbanera Almanach Wotan mit Wölfen / Dezember • Hans Thoma • 1906