Posts

Posts mit dem Label "Gedicht" werden angezeigt.

Manitou

Bild
  Manitou, du warst zuerst da.  Du bist die Urmaterie. Du bist der Grundstock des Lebens. Du hast das All erschaffen,  um dir eine ewiges Denkmal zu setzen.  Du bist die Natur, die Liebe, der Friede, die Seele.  Du bist Mana und du bist Anch.  Du gleitest durch das All, wie Kamikaze, der göttliche Wind. Du bist überall. Es ist schwer dich zu erreichen,  doch wenn man zu dir gelangt, bleibst du für immer im Herzen.  Wir glauben an dich,  denn du enttäuschst uns nie. In Anbetung zu dir rufen wir glücklich:  Soma ke orbitam orph und komme Manitou! RK 7.3.82

Liebesgedichte 1982

Bild
  Ich sah dich auf dem Foto und fand dich nett. Ich sah dich vor mir stehen  und mochte dich. Ich sah mich in deinen Armen und liebte dich.  Ich weiß nicht mehr, wie du aussiehst. Ich weiß nicht mehr, wie deine Stimme klingt. Ich weiß nur, dass du lieb warst. Ich weiß, dass ich dich nicht vergessen kann. Ich weiß ganz genau, dass ich dich liebe. RK 27.2.1982

Christian Morgenstern • Novembertag

Bild
Nebel hängt wie Rauch ums Haus, drängt die Welt nach innen; ohne Not geht niemand aus; alles fällt in Sinnen. Leiser wird die Hand, der Mund, stiller die Gebärde. Heimlich, wie auf Meeresgrund, träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern • Das Spinnennetz

Bild
Oh sieh das Spinnennetz im Morgensonnenschein, wie es vom Tau noch voll kristallner Tropf hängt! Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht, die in den silbergrauen Maschen hier und dort  so flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.  Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sich  in unsrer Tage schwankendes Gespinst,  und es erschauert unter seiner köstlichen Last  des Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb. 

Göttner-Abendroth • Frau Holle

Bild
Ich bin Frau Tödin, die Göttin mit der schneidenden Sichel.  Zuerst bringe ich den Ähren auf den Getreidefeldern den Tod, dann folgen nach und nach alle Wesen.  Sie fallen der Erde zu und ruhen in der Tiefe,  bis sie im nächsten Frühling wiedergeboren werden. 

Joachim Ringelnatz • Zwei Ameisen

 In Hamburg lebten zwei Ameisen, die wollten nach Australien reisen. Bei Altona auf der Chaussee, da taten ihnen die Beine weh.  Und da verzichteten sie weise dann auf den letzten Teil der Reise.  So will man oft  und kann doch nicht  und leistet dann recht gern Verzicht.

Carl Zuckmayer • Fülle der Zeit

Des Sommers Mitte, halb schon überschritten, Umspannt das Land mit Bögen seiner Pracht,  Durch die Augustus donnernd eingeritten -  Sternschnuppenschwärme folgten ihm zur Nacht.

Joachim Ringelnatz • Sommerfrische

Bild
  Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß das durch den sonnigen Himmel schreitet. Und schmücke den Hut, der dich begleitet,  mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser, weil's wohltut, weil's frommt.  Und bist du eine Mundharmonikabläser und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien lenken von dem freigegebenen Wolkengezupf, vergiss dich. Es soll dein Denken nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf. 

von der Recke • Das wahre Heil

Bild
  Wo wohnt das Heil, das uns den Frieden, des Lebens wahren Frieden schafft? Arm ist das reichste Glück hinieden, beglückt ist nur der Mensch von Kraft,  der über jeden Druck sich zu erheben, und in dem sanft gezognen Gleis sein unbemerktes, stilles Leben am Arm der Freundschaft fortzuführen weiß. Elisa von der Recke • 1754-1833

William Blake • The Tyger

Bild
aus "Songs of Experience" The MET NY Tyger Tyger, burning bright, In the forests of the night; What immortal hand or eye, Could frame thy fearful symmetry? In what distant deeps or skies. Burnt the fire of thine eyes? On what wings dare he aspire? What the hand, dare seize the fire? And what shoulder, & what art, Could twist the sinews of thy heart? And when thy heart began to beat. What dread hand? & what dread feet? What the hammer? what the chain, In what furnace was thy brain? What the anvil? what dread grasp. Dare its deadly terrors clasp? When the stars threw down their spears And water'd heaven with their tears: Did he smile his work to see? Did he who made the Lamb make thee? Tyger Tyger burning bright, In the forests of the night: What immortal hand or eye, Dare frame thy fearful symmetry?

William Blake • Die Welt zu sehen

Bild
Die Welt zu sehen im Korn aus Sand, Das Firmament im Blumenbunde, Unendlichkeit halt' in der Hand, Und Ewigkeit in einer Stunde. To see a world in a grain of sand and heaven in a wild flower,  hold infinity in the palm of your hand and eternity in an hour. William Blake

Christian Morgenstern • Es war ein solcher Vormittag

Bild
Es war ein solcher Vormittag, wo man die Fische singen hörte, kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte, kein Wellchen wölbte sich zum Schlag. Nur sie, die Fische, brachen leis der weit und breiten Stille Siegel und sangen millionenweis' dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Man kann Wasser nicht greifen

Bild
Man kann Wasser nicht greifen, doch es ist im Boden. Man kann Feuer nicht berühren, doch es ist im Baum. Man kann den Wind nicht halten, doch er ruht auf dem Felsen. Lässt man sie in Ruhe, gibt es sie überall. Das schwache blaue Licht lässt mich seufzen. Mein weißer Atem wurde zu Schnee und Tränen. Ich konnte sie nicht fallen lassen und versteckte sie. Obwohl ich weiß, dass sie sich wieder ansammeln, bin ich ein Narr, der es nicht wagt, eine Träne zu vergießen.

Hermann Hesse • Stufen

Bild
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegensenden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ... Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Tolkien • Nicht alles was Gold ist

Bild
Nicht jeder Verirrte verliert sich, Nicht alles, was Gold ist, glänzt, Die tiefe Wurzel erfriert nicht, Was alt ist, wird nicht zum Gespenst. Aus Schatten ein Licht entspringe! Aus Asche soll Feuer loh'n! Heil wird die zerbrochene Klinge, Der Kronlose steigt auf den Thron. Nicht alles, was Gold ist, funkelt, Nicht jeder, der wandert, verlorn, Das Alte wird nicht verdunkelt; Noch Wurzeln der Tiefe erfrorn. Aus Asche wird Feuer geschlagen, Aus Schatten geht Licht hervor; Heil wird geborstenes Schwert; Und König, der die Krone verlor.

Es war nur sein sonniges Lächeln

Bild
Es war nur ein sonniges Lächeln, es war nur ein freundliches Wort, doch scheuchte es lastende Wolken und schwere Gedanken fort.   Es war nur ein warmes Grüßen, der tröstende Druck einer Hand, doch schien’s wie die leuchtende Brücke, die Himmel und Erde verband.   Ein Lächeln kann Schmerzen lindern, ein Wort kann von Sorgen befrei’n ein Händedruck Sünde verhindern und Liebe und Glaube erneu’n.   Es kostet Dich wenig, zu geben Wort, Lächeln und helfende Hand, doch arm und kalt ist Dein Leben, wenn keiner solch‘ Trösten empfand.

Ginkgo • Goethe

Bild
Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinem Garten anvertraut, giebt geheimen Sinn zu kosten, wie's den Wissenden erbaut. Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwey, die sich erlesen, daß man sie als eines kennt? Solche Frage zu erwidern, find ich wohl den rechten Sinn, fühlst du nicht an meinen Liedern, daß ich Eins und doppelt bin?

dann geh deines Weges

Bild
Wenn du keine Nähe willst,     geh deines Weges. Wenn du meine Hand nicht halten willst,     geh deines Weges. Wenn du nicht freundlich sein willst,     geh deines Weges. Wenn du nicht fühlen willst,       geh deines Weges. Wenn du nicht zuhören willst,     geh deines Weges. Wenn du nicht hinsehen willst,     geh deines Weges. Wenn du nicht spüren willst,     geh deines Weges. Wenn du mich nicht achten willst,     geh deines Weges. Wenn du dich nicht entwickeln willst,     geh deines Weges. Wenn du in der Vergangenheit leben willst,     geh deines Weges. Wenn du keine Zukunft willst,     geh deines Weges.  Wenn du in Angst leben willst,     geh deines Weges. Wenn du mich benutzen willst,     geh deines Weges.  Wenn du nicht lieben willst,     geh deines Weges. Wenn du nicht treu sein willst,     geh deines Weges. Wenn d...

Hermann Hesse • Im Nebel

Bild
Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, Kein Baum sieht den andern, Jeder ist allein. Voll von Freunden war mir die Welt, Als noch mein Leben licht war; Nun, da der Nebel fällt, Ist keiner mehr sichtbar. Wahrlich, keiner ist weise, Der nicht das Dunkel kennt, Das unentrinnbar und leise Von allen ihn trennt. Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsamsein. Kein Mensch kennt den andern, Jeder ist allein.

Lord Byron • So werden wir nicht mehr schweifen

Bild
So werden wir nicht mehr schweifen Umher in der späten Nacht, Wenn das Herz auch noch verliebt ist Und der Mond noch immer lacht. Denn das Schwert verschleißt seine Scheide Und die Seele verschleißt die Brust, Und das Herz muß ruhn um zu atmen Und Liebe rasten von Lust. Ist die Nacht auch gemacht für die Liebe Und der Tag folgt zu schnell der Nacht, So werden wir doch nicht mehr schweifen, Wenn der Mond vom Himmel lacht.