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Cordwainer Smith - Gedicht

Lauf mit dem Winter, der tanzt und springt! Lausche dem Widder, der dich blökend begrüßt. Eil zu den Lämmern, die rennen und tollen. Sieh dort das Stroon, wie es wächst und sich mehrt. Betrachte die Menschen, die ernten und säen Wohlstand für ihre Welt!
Betrachte die Hügel, wie sie steigen, sich neigen. Bleib, wo die Trockenheit dörrt, die Welten würgt. Zieh mit den Wolken, die treiben und fliegen. Raste, wo der Wohlstand sich recht, alles bedeckt. Ruf hinauf zum Gipfel der singenden, klingenden norstrilischen Schönheit und Macht. 



Cordwainer Smith • Die Untermenschen
ISBN 3-426-05724-7

Rilke - Der Alchemist

Seltsam verlächelnd schob der Laborant
den Kolben fort, der halbberuhigt rauchte.
Er wußte jetzt, was er noch brauchte,
damit der sehr erlauchte Gegenstand
da drin entstände. Zeiten brauchte er,
Jahrtausende für sich und diese Birne,
in der es brodelte; im Hirn Gestirne
und im Bewußtsein mindestens das Meer.
Das Ungeheure, das er gewollt,
er ließ es los in dieser Nacht. Es kehrte
zurück zu Gott und in sein altes Maß;
er aber, lallend wie ein Trunkenbold,
lag über dem Geheimfach und begehrte
den Brocken Gold, den er besaß.
Rilke: Der Neuen Gedichte Anderer Teil

Wiener Hundesegen

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Christus wurde geboren, eher als Wolf oder Dieb.
Da war der heilige Martin Hirte Christi.
Der heilige Christ und der heilige Martin, der Ehrwürdige,
sie sorgen heute für die Hunde und Hündinnen,
damit ihnen weder Wolf noch Wölfin
zu Schaden sein können,
wo immer sie auch laufen,
im Wald oder auf dem Weg oder der Heide.
Der heilige Christ und der heilige Martin,
sie mögen bewirken,
dass wir heute alle hier gesund heimkommen.

Foto: Eigentum RK

C. Smith - Ich zu sein

Ich zu sein, ist das richtig, ist das gut?
Weiterzugehen, wenn die anderen zögern -
zu dem Tor, durch die Tür, hinter die Wand,
zwischen hier und dem völligen Nichts.

Es ist kalt, es ist ich, dort draußen.
Ich bin wahr, ich bin ich, in der Liebe.
Solche Stille lässt keinen Zweifeln Raum.
Es ist Klarheit, ungetrübt durch einen Laut. 

Ich zu sein, das ist seltsam, das ist wahr.
Soll ich lügen? Um sie zu sein, um Frieden zu haben?
Werde ich wissen, kann ich berichten, wenn ich hindurch bin?
Halte ich an, wenn meine Schwierigkeiten enden?

Wenn die Wand nicht aus Glas, nicht dort ist,
wenn sie wirklich ist, aber aus Luft besteht,
und ich verloren bin, wenn ich dorthin gehe, wohin ich gehe,
wo bin ich dann? Ich bin Ja. Bin ich Nein?

Ich zu sein, ist das richtig, ist es so?
Kann ich meinem Gehirn, meinen Augen vertrauen?
Werde ich du oder sie sein, dann und wann?
Sind sie wahr, all die Dinge, die ich kenne?

Du bist verrückt, in der Wand. Und dort draußen
bin ich allein und so normal wie das Grab.
Mache ich einen …

Goethe - Faust

Daran erkenn ich den gelehrten Herrn:
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern; was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar!
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr; was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,  was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.



Wenn Ihr's nicht fühlt, Ihr werdet's nie erjagen ...



Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben.



Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum.



Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.



Das Beste, was du wissen kannst, darfst du den Schülern doch nicht sagen.



Freud muss Leid, Leid muss Freude haben. 


Speculum Alchemiae - Museum of alchemy in the very center of Prague

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